Land der Ruhe

Heute geht es wieder nach Hause. Jedes Jahr vergeht die Woche im Mecklenbuger Bugalow schneller. Ob das mit der zeitlichen Wahrnehmung bei fortschreitendem Alter zu tun hat? Quatsch! So alt bin ich nun auch noch nicht.

Ich will den Tag nutzen. Carpe diem! Gegen 5:00 Uhr ist Sonnenaufgang also sitze ich gegen 4:30 Uhr bereits auf einem Steg am See an dem unser Bungalow liegt. Mit Pullover weil es doch noch etwas kühl ist. Keine Menschenseele weit und breit. Die Kumpels im Bungalow schlafen noch mindestens 3 oder 4 Stunden. Pah!

Bereits auf dem kurzen Weg zum See kam es zur ersten Begegnung. Das Reh auf dem Kiesweg ist ebenso überrascht von mir, wie ich von ihm. Auch verfällt es in die gleiche Schockstarre wie ich. Die Kamera noch im Rucksack, versuche ich nach gedehnten Sekunden wenigstens zu meinem Telefon in der Hosentasche zu greifen, doch bei der ersten kleinen Bewegung, ist es bereits im Feld verschwunden.

Eigentlich wollte ich ja den Sonnenaufgang fotografieren. Ja, schon wieder, ich kann mich einfach nicht daran satt sehen. Auf Fotos mag es evtl. langweilig werden, in echt jedoch, in der Natur zu sitzen, das Leben um sich herum erwachen zu spüren, den Temperaturwechsel, die Geräuschkulisse, das ist jedesmal neu und immer wieder wert erlebt zu werden. Blöderweise zeigt der Steg nach Nordwesten. Keine Sonne also. Der Rest allerdings bleibt.

Der See ist glatt wie ein Spiegel. keine Luftbewegung. Nur Fische, die versuchen sich Insekten von der Oberfläche zu schnappen, verursachen ab und an ein paar Kringel. Langsam beginnt der Himmel sich in farbiger Blässe zu erhellen und er beginnt: Mein letzter Tag im Land der Ruhe.

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